1. Dynamit für alle und mit Tequila in die Salzwüste

    Potosi, mit 4000 m, die am höchsten gelegene Stadt der Welt. Einst war die Stadt größer und reicher als London oder Paris. Heute ist nicht mehr viel vorhanden vom Glanz alter Zeiten. Den damaligen Reichtum verdankt die Stadt dem “Cerro Rico”, dem reichen Berg. Reich voll Mineralien, vor allem voll mit Silber. Als die Spanier einkehrten hatte man 92 prozentiges Silber aus dem Inneren geholt und natürlich nach Spanien geschafft. In unserer Zeit muss der “Minero” eine Menge Glück haben um genug Silber zu bekommen. Die Bedingungen sind sehr hart, heute wie früher. Um sich ein Bild von der harten bolivianischen Realität machen zu können, sollte man sich die Dokumentation “The Devils Miner” anschauen. Der Hauptdarsteller, ein 14-jähriger Junge, erklärt und zeigt seine Welt im Inneren des Berges. Ja, ein Junge von Vielen. Kinderarbeit gehört leider zum Geschäft. Die ganze Stadt lebt nur von diesem Berg. Ohne diesen, wird Potosi eine Geisterstadt. Es gibt über 400 Minen, es sind mehr als 8 Millionen Menschen gestorben und die Menschen haben keine andere Wahl.
    Nach dem Film hatte ich Bedenken, ob ich mir diese Tour antue. Es geht nämlich in eine normale Mine, in der auch gearbeitet wird, während man da unten herum kraucht. Ich habe es dann doch gemacht. Gemeinsam mit Steve und Balu habe ich mich auf den Weg gemacht. Mit ehemaligen Minören ging es zuerst in das Lager um die passende Kleidung zu bekommen und Gruppen zu bilden. Passend ausgestattet, sind wir dann zu den Einkaufsläden gefahren um Geschenke für die Arbeiter und Opfergaben für den “Tio” einzukaufen. Man kann ganz einfach Dynamit inklusive Zünder kaufen um es zu verschenken und das ohne Kontrollen. Der Engländer in unserer Gruppe hat die Gelegenheit gleich beim Schopfe gepackt und eine Stange mehr gekauft. Wofür er es brauchte war ihm noch nicht klar, nur knallen sollte es. Mit genügend Koka, Saft und Dynamit ging es dann zuerst in die Verarbeitungsbetriebe und danach zum Mineneingang. Die Verarbeitung sieht aus wie im Mittelalter. Da man in Bolivien nicht die Möglichkeiten hat um Silber fertig zu bearbeiten wird alles nach Chile oder Peru gebracht. Armes Bolivien.
    Wenn man weiß wie groß die Bolivianer sind und daran denkt das Kinder in der Mine arbeiten, dann kann man sich leicht vorstellen wie es für einen 1,85 m großen Europäer ist in die Mine zu gehen. Nicht unbedingt komfortabel. Mein Rücken meldet sich seitdem regelmäßig. Die ersten Meter gingen noch sehr gut, aber dann ging es in gebückter Haltung der Hitze entgegen. Den ersten Halt haben wir am “Tio” gemacht, um ihm zu huldigen und Opfergaben zu bringen. Der Tio ist der Gott der Mineralien und er muss einem gut gesonnen sein, damit man lebend und mit viel Mineralien aus der Mine kommt. Dort haben wir auch die ersten Arbeiter getroffen, gezeichnet vom Leben in der Mine. Die Alterserwartung liegt zwischen 45 und 50 Jahren. Wenn man die harten Jungs sieht, kann man sich selbst dies schwer vorstellen.
    Die zweite Station ist der derzeitige Arbeitsplatz eines “Mineros” im zweiten Level gewesen. Der Weg dorthin war mit Abstand am krassesten. Ein vertikales Loch durch das ich gerade so gepasst habe. Zuerst wollte ich nicht mehr, da mir der Schwefelgeruch und die Hitze schon genug zu schaffen gemacht haben. Aber mitgehangen, mitgefangen. Unten angekommen, war einer der Arbeiter mit Namen Carlos gerade dabei ein weiteres Loch zu hämmern um mit dem Dynamit wieder sprengen zu können. Keiner von unserer Truppe hat ein Foto gemacht oder versucht ihm Fragen zu stellen. Das Gleiche, als wir seinen Vater getroffen haben. Diese Männer sind am Ende und wir als Touristen haben uns nach dieser zweistündigen Tour nicht Wohl gefühlt.
    Nach dem dritten Level ging es dann wieder zurück durch die dunklen kleinen Gänge in Richtung Ausgang. Es ist die harte Realität, auf die man trifft. Eine Erfahrung die ich nicht missen will.

    Da in Bolivien gerne gestreikt wird, haben wir uns entschieden direkt nach dem Minenbesuch nach Tupiza zu weiterfahren. Die LKW-Fahrer haben das Land für zwei Tage lahm gelegt und kein Rad hat sich gedreht.
    Da wir über Nacht fahren mussten, wollten wir im “Semi-Cama” fahren. Unsere Tickets waren auch dafür ausgeschrieben, jedoch heißt das in Bolivien nichts. Auch die Zeitangaben kann man getrost vergessen. Unser toller Bus sollte 8-9 Stunden unterwegs sein und genau zum Frühstück ankommen. Keiner von uns konnte im Bus schlafen und dann standen wir noch um 3.00 Uhr morgens in Tupiza. Die Idee mit einer Nachtfahrt das Geld für die Unterkunft zu sparen und ausgeruht anzukommen war dahin.
    Um diese Zeit einzuchecken war natürlich unmöglich und so mussten wir mit aller Überzeugungskraft den Typ von der Rezeption dazu bringen uns zu helfen. Nach langem hin und her, hatten wir ein Zimmer zum schlafen und konnten am Mittag in unser eigentliches Hostel ziehen.
    Von Tupiza aus haben wir unsere Tour in Richtung “Salar de Uyuni”, die größte Salzwüste der Welt, gestartet. Vorher haben wir das Auto und den Guide gecheckt. Es ging immerhin fast sechs Tage mit dem Jeep auf Tour. Damit der Preis günstiger wurde, hat sich noch der Schweizer Valentyn zu uns gesellt. Zusammen mit einer Köchin ging es dann von Tupiza aus los. Als Reiseproviant hatten wir uns zusätzlich mit Rum, einem alten Fass Bier und Tequila ausgestattet. Wenn man schon in die Salzwüste fährt, dann standesgemäß. Schon die ersten Stunden boten eine einzigartige und atemberaubende Landschaft. Es ging hoch bis auf 4.800 m. Endlose Weiten, Steinformationen jeglicher Art und mit allen Farben. Man fährt über einen Hügel und die Gegend sieht vollständig anders aus. Grüne Wiesen mit Lamas oder Vicunas und einen Moment später steht man gefühlt in der Umgebung von den “Feuersteins”. Einfach sehr schön. Was wir Spezialisten allerdings vorher besser kontrolliert hätten, wären die Reifen gewesen. Unser Vorderreifen hat wahrscheinlich schon lange kein Profil mehr gesehen und glich mehr einem Formel-1-Slick. Also ging der gleich am ersten Tag verloren und unser Ersatzrad musste ran. Aber halb so wild, wir sind ja in Bolivien.
    Am zweiten Tag haben wir mehrere Lagunen mit immer unterschiedlichen Farben besucht. Interessant war auch, das es überall Flamingos gegeben hat. Konnte ich mir anfangs gar nicht vorstellen das die auf einer solchen Höhe leben können. Die Mahlzeiten gab es entweder im Hostel oder auf dem Weg. Bei unserem zweiten Mittag haben wir an einer Lagune mit heißen Quellen gehalten. Und da wir Zeit hatten, haben wir das ausgenutzt. Ein kühles Blondes und ab in das 37 Grad warme Wasser. Wir haben unseren Guide Ismaile (“I smile” hat besser gepasst) ob wir auch in der Lagune baden können und er meinte nur das wir das selber entscheiden müssen. Er wusste warum. Nach 50 Meter kam immer noch kein Wasser, dafür stinkender grauer Schlamm in den man eingesunken ist. Und man konnte sich damit beschmeißen. Vier angetrunkene Typen die bei frostigen Temperaturen ein Schlammbad nehmen. Der Weg zurück in das heiße Nass war mühsam und wahnsinnig kalt. Unser Guide musste nur lachen und meinte nur das wir verrückt sind. Bevor wir an den heißen Quellen waren, war das Wasser glasklar, nach unserer Schlammpackung nur noch trüb.
    Abends ging es dann zu unserer Unterkunft, von der aus wir zum 5950 m hohen Vulkan “Licancabur” aufbrechen wollten. Um 3.00 in der früh ging es los. Schon die Idee hatte es in sich. Es gibt nämlich 6000er Berge die man einfacher hochlaufen kann als den steilsten Vulkan. In der Agentur hieß es noch 4h Aufstieg und 2h Abstieg. Aber was sind Zeitangaben. Der Berg-Guide hat uns die Augen geöffnet und legte noch ein paar Stunden drauf. Und von wegen es wird nicht so kalt. Es war richtig kalt, selbst als die Sonne am Horizont aufgestanden ist. Nach 4h und auf ca. 5700m konnte ich nicht mehr. Ich entschied mich vernünftigerweise den Abstieg anzutreten, allein. Mich haben alle Kräfte verlassen und noch weitere zwei Stunden wären zuviel gewesen. Selbst der Abstieg war nicht so einfach. Mehrmals bin ich ausgerutscht und hab mich hingesetzt. Nach endlosem Runterlaufen endlich unten angekommen, durfte ich dann feststellen das einer der scharfkantigen Steine meine Hose aufgeschlitzt hat. Zum Glück habe ich nur diese Eine.
    Als die Anderen Gipfelstürmer mit letzten Kräften unten angekommen sind, ging es zurück in das Hostel zum Mittagessen. Alle drei waren sich einig, das sich der Vulkan nicht gelohnt hat. Also hab ich nichts verpasst. Zur Belohnung durften wir noch einmal in die heißen Quellen. Dieses Mal haben wir unser Fass Bier mitgenommen. Zum Erschrecken haben wir feststellen müssen das dieses schon lange abgelaufen war. Aber da wir es nun mal hatten, wollten wir es auch trinken. Mehr als Schaum kam aber nicht raus.
    Nach dem erholenden Bad ging es dann weiter mit dem Jeep in unsere nächste Unterkunft. Vorbei an einem Geysirfeld ging es an der chilenischen Grenze entlang zur “Salar de Uyuni - die größte Salzwüste der Welt”. Das sollte das Highlight am letzten Tag werden. Doch zuvor gab es für uns noch ein persönliches Highlight. Wir sind an einem bolivianischen Militärstützpunkt vorbeigefahren und haben an der Zugstrecke nebenan einen Halt gemacht. Die Militärbasis sah ziemlich verlassen aus, war sie aber nicht. Unser Freund Balu hat das irgendwie nicht richtig verstanden und ging direkt los um diese zu erkunden. Steve und ich haben erst später geschnallt was er vor hat. Und da war es zu spät. Balu ist über die Mauer geklettert und in die Basis reingesprungen. In eine aktive Militärbasis. Ismail, unserem Guide, konnte man förmlich ansehen wie ihm zu Mute war. Keiner wusste ob und wieviele Soldaten dort stationiert sind. Drei Soldaten haben wir noch beim joggen beobachtet, aber nicht mehr. Zum Glück kam Balu dann nach 15 Minuten wieder um die Ecke. Und als ob nichts wäre, war er stolz auf seine Fotos. Als wir ihm erzählt haben das die Basis noch genutzt wird, war ihm auch anders. Die ganze Aktion hätte ganz schön daneben gehen können, ist sie aber nicht. Darum sind wir aus dem Lachen nicht mehr rausgekommen als alles wieder sicher war. Ismail sagte nur “Loco, loco”, was soviel wie verrückt bedeutet.
    Am Abend haben wir dann in einem Salzhotel genächtigt. Wände und Boden sind aus purem Salz. Das war dann auch die richtige Umgebung für den Tequila. Die Flasche hat nicht lange gehalten da wir mehr als genug Salz zur Verfügung hatten. Zusammen mit Ismail standen wir zu fünft an Wand aus Salz und tranken den guten Tropfen. Hätten wir wohl mehr mitgenommen, dann wäre heute ein große Loch in der Wand.
    Der letzte Tag ging sehr früh los um den Sonnenaufgang in der Salzwüste zu erleben. Ein sehr cooles Spektakel. Alles ist endlos weiß und in der Ferne ragen Berge oder Vulkane empor. Zum Frühstück ging es dann zur “Isla Pescado” mitten im Salzmeer. Dort kam ich mir wie in Frankreich vor, so viele Franzosen waren dort unterwegs. Ich wurde selbst in französisch angesprochen, so selbstverständlich war es. Kurios. Dort habe ich auch einen vertrauten Akzent aus Deutschland angetroffen. Eine kleine Gruppe Thüringer die richtige Fans von Südamerika geworden sind. Vor allem der Marco ist aus dem Schwärmen nicht rausgekommen und hat mir noch erzählt was ich unbedingt machen muss. Ich glaube am liebsten wäre er mit uns gekommen.
    Gestärkt ging es dann direkt in die Mitte der Wüste, um witzige Bilder zu machen. Entweder unsere Gruppe steht auf dem Bierfass, man steht auf der Schulter des Anderen oder man wird mit Tequila ertränkt. Durch die Weite kann man viele Dinge unterschiedlich wirken lassen. Ist für uns aber mehr Zeitvertreib gewesen. Wir waren alle noch hin und weg von der Intensität der letzten Tage.
    Das letzte Mittag haben wir dann noch in einer kleinen Stadt mit einem “Artesania-Markt” zu uns genommen. Aber es gab wie immer überall den gleichen Kram. Weiter nach Uyuni um von dort die Reise nach Chile antreten zu können. Vorher ging es aber noch zum letzten Spot. Der Zug-Friedhof mit unzähligen alten Triebwagen und Waggons. Es ist eine Touristenattraktion obwohl man mit dem ganzen Metall noch viel Geld machen könnte.
    In Uyuni mussten wir uns dann selber um den Transport nach San Pedro de Atacama kümmern. Laut unserer Agentur sollte das kein Problem sein und im Gesamten nur 6h Fahrt mit Übernachtung dauern. Es kam natürlich anders. Wir haben geradeso noch die letzten Plätze bekommen, für mehr Geld als gedacht. Es war auch nur eine Mahlzeit enthalten und dauerte auch noch länger als geplant. Mal wieder. Unser Fahrer hat sich vor der Fahrt bekreuzigt. Ich kann mir auch gut vorstellen warum. So wie der gefahren ist, hat der nicht mal einen Führerschein besessen. Bei jedem entgegenkommenden Auto hat er angehalten und die Windschutzscheibe festgehalten. Nicht das die rausfliegt bei 10 km/h. Und die Umgebung hat ihm im Übrigen mehr zugesagt als die Straße. Es war interessanter für ihn, die ganze Zeit rauszugucken. Da kann man als Beifahrer schon mal soziopathische Gedanken bekommen. Aber das gehört zu der Mentalität der Bolivianer. Einfach keine Platte machen.
    Unsere Unterkunft war ein einziges Loch. So müssen sich Flüchtlinge fühlen. Ein Raum ohne Fenster und gefüllt mit Betten. Naja, es gibt schlimmeres und es war der einzige Weg nach Chile. Frühs ohne Frühstück ging es dann zur Grenze. Natürlich keine drei Stunden, sondern wieder mal fünf. Die Grenze war der reinste Witz. Ein kleines Lehmhaus mit einem einzigen Grenzposten. Seine Uniform war ein handelsüblicher Trainingsanzug und seine Waffe der Mundgeruch. Der wollte glatt, das wir noch Geld bezahlen um das Land zu verlassen. Wir haben ihm einen Vogel gezeigt und gesagt das wir nichts zahlen werden. Balu hätte normalerweise tief in die Tasche greifen müssen da er seine Immigrationskarte verloren hat. Kurz hat er gezögert und uns dann den Ausreisestempel gegeben. Was sollte er auch alleine machen. Uns alle in Ohnmacht anhauchen?
    Der Grenzposten auf chilenischer Seite liegt 47 km entfernt in San Pedro. Schon die ersten Meter auf chilenischem Boden war ein himmelweiter Unterschied zu den letzten Wochen.
    Es gibt nämlich Verkehrsschilder. Wie man sich darüber freuen kann.

    Bolivien war schon der Hammer. Es ist ein sehr schönes, atemberaubendes und verrücktes Land. Arm und Reich zu gleich.
    Es gibt soviele Rohstoffe und Ressourcen, man denke nur an die riesigen Lithium Vorkommen, aber das Land ist nicht in der Lage daraus Profit zu schöpfen. Vielleicht ist es aber auch gut für die Natur und die einzigartige Landschaft.
    Für mich bisher das schönste der bereisten Länder.

     
  2. Southwest Circuit - Tag 4, Teil 2/2
    Salz, Salz und Züge, die nicht mehr fahren wollen.

     
  3. Southwest Circuit - Tag 4, Teil 1/2
    Sonnenaufgang in der Salar de Uyuni und die ersten Anzeichen vom Ende

     
  4. Southwest Circuit - Tag 3, Teil 2/2
    Flamingos, Chinchillas und eine angeblich noch intakte Militärbasis

     
  5. Southwest Circuit - Tag 3, Teil 1/2
    Ausblick von 5700 m, rote Lagunen und ein Baum aus Stein

     
  6. Southwest Circuit - Tag 2
    Flamingos auf 5000 m, farbige Berge, weit und breit ist niemand zu sehen.

     
  7. Southwest Circuit - Tag 1, 2/2

     
  8. Southwest Circuit - Tag 1, 1/2

     
  9. Potosi - die höchste Stadt der Welt
    Beladen mit Dynamit und Alkohol ging es hinab in die Silberminen.

     

  10. Ein Tauber Senior, deutsche Dschungel-Hüte und warum man lieber auf der Party bleiben sollte

    Copacabana, bestimmt nicht zu vergleichen mit dem Pendant in Brasilien. Bikini-Schönheiten darf man also nicht erwarten, dafür Busse die im Titikakasee gewaschen werden und Schäferhunde die auf dem Heimweg warten. Witzig ist auch der Marinestützpunkt mit einem Boot, kaum größer als ein Ruderboot. Für die fünf Soldaten sollte es auf jeden Fall reichen.
    Ich bin also bei der nächsten Gelegenheit mit einem Boot auf die Nordseite der “Isla del Sol” gefahren, um diese zu erkunden und in Richtung Süden zu laufen. Angekommen im Hafen, bin ich gleich weggerannt von all den weiteren Touristen, um die Insel möglichst ohne Menschen zu erleben. Und es hat geklappt. Auf dieser Insel sollen die Inka geboren sein, was man anhand von Ruinen erahnen könnte. Diesen Geist konnte ich aber nicht spüren, denn auf Grund der atemberaubenden Aussichten blieb mir keine Zeit über die Inka nachzudenken. Aber über deren Vorfahren, die mich alle Stunde zu Kasse gebeten haben, damit ich weiterlaufen konnte. Im Hafen hieß es noch, es sei alles mit dem Eintritt abgegolten. Wenn du aber erstmal oben auf dem Berg bist und du musst die andere Seite wieder runter, dann überlegst du nicht wieviel es kostet. Natürlich alles für den Erhalt der Insel. Pah, dafür bauen die Einheimischen immer mehr Restaurants und Hotels auf die Insel. Tourismus ist manchmal ein blöder Kreislauf, allerdings bin ich selber im gleichen Hamsterrad.

    Von Copacabana bin ich dann mit dem Bus in Richtung La Paz aufgebrochen. Der Bus war natürlich wieder viel zu klein, aber was soll es. Ich steige also ein und ziehe den Blick eines typischen deutschen Ehepaars auf mich. Er, garantiert Sportlehrer und Sie, mit Sicherheit, Hausfrau. Dem Anschein nach haben sich Beide bei dem Reiseausstatter gut beraten lassen, was die Kleidung und notwendige Ausrüstung für einen Südamerika-Trip angeht. Der Verkäufer hat das Geschäft seines Lebens gemacht. Beide sitzen mit Ihren Moskito-Dschungel-Hüten im Bus. Wer auf 3800 m Malaria bekommt, der wird Namensgeber einer neuen Krankheit.
    Das Erste, was Ihr zu meiner Erscheinung eingefallen ist: “Wenn hier noch mehr solche Riesen reinkommen, haben wir bald keine Luft mehr zum atmen.” Freundlich wie ich bin, habe ich die Beiden auf Deutsch begrüßt, damit Sie beim nächsten Satz genau überlegt, was als nächstes Geistreiches gesagt werden kann. Als ich gesessen habe, meinte der Mann nur zu mir, mit einem dummen Lächeln: “Wenn sich noch ein so wohlgenährter Junge zu dir setzt, wird es eng.” Doch das Grinsen sollte ihm schnell vergehen, denn eine Sekunde später stand mein Sitznachbar neben mir und war mein Pendant aus Holland.
    Der Mann lachte und der Holländer fragte was so lustig sei. Daraufhin hab ich ihm erklärt das wir in den Augen von “Schliemanns peinlichen Erben” sehr wohlgenährt seien. Er fand es natürlich nicht lustig und ich musste die Situation gleich entschärfen, in dem ich ihm einfach sagte: “Alles ok, der Deutsche Mann meint damit nur, das seine Frau Wasser ankochen lassen kann und glaubt das ein Tetrapak Milch am Baum herunter hängt.” Der Holländer konnte vor lachen nicht mehr und tippte dem Mann auf die Schulter und sagte dem Typen das es ihm leid tue das seine Frau nicht kochen kann. Damit war erstmal Ruhe.
    Aber nur bis zur Überfahrt, über den Titikakasee. Alle müssen aussteigen und der Bus wird dann separat von den Leuten überführt. Auf der anderen Seite steigen alle wieder ein und weitergehts. Nur das Paar fehlte. Die Beiden standen hilflos draußen und bemerkten nicht, das unser Bus schon losfahren wollte. Ja, ich habe gezögert. Aber dann doch mein Bestes gegeben. Also habe ich das Fenster geöffnet und in Richtung der Beiden immer wieder gerufen das sie doch kommen sollen. Keine Reaktion und so fuhr der Bus los, ohne die Beiden und die “Wohlgenährten” hatten mehr Platz. Manchmal glaube ich schon an Schicksal.

    In La Paz hatte ich mich für ein Party-Hostel entschieden, da jede Erfahrung zählt. Aber Alleine im 8-Bett-Zimmer verspricht nicht die beste Party zu werden. Also ab an die Bar und gucken was passiert. Dort habe ich zwei Dänen kennengelernt, mit denen ich zusammen den Barkeeper beschäftigt habe. Dieser war im Übrigen jeden Tag betrunken. Einer muss ja für Umsatz sorgen wenn schon niemand da ist, der mit zieht. Es war ein sehr lustiger und feuchtfröhlicher Abend.
    Es gab auch einen Korsikaner, der seit 13 Jahren reist, allerdings hatte der sein Programm schon vor dem Mittag erfüllt. Zum Frühstück zwei Kurze und ein Bier.
    Die Stadt mit ihrem chaotischen Flair, der besonderen Lage und dem Mix aus kolonialem und modernen Stil hat mir sehr gefallen. Es ist nicht die schönste Stadt, aber es herrscht eine bestimmte Atmosphäre, die es mir angetan hat. Viele kleine Gassen und uralte amerikanische Klapperbusse tragen dazu bei. Im Prinzip bin ich nur gelaufen um die Stadt zu entdecken und ohne die vielleicht wichtigen Ecken vollkommen zu entdecken. Es ging mir darum die Stadt zu erleben und nicht eine Liste abzuarbeiten.
    In La Paz wollte ich mir eine “GoPro” - Kamera kaufen, um Videos aufzunehmen. Beim Rafting in Arequipa hatten wir ja eine dabei. Bei uns überall erhältlich, gab es in La Paz aber nur einen einzigen Laden. Also bin ich hin und wollte diese kaufen. Es gab eine Einzige und der Preis war ok. Allerdings wollte der Verkäufer das Geld in Dollar. Kein Problem, dachte ich. Ich hab ihm gesagt das ich gleich wiederkomme um die Kamera und all den Rest zu kaufen. Für ihn war es nämlich ein schlechtes Geschäft und er wollte die letzte Kamera mitsamt Zubehör nur noch loswerden. Nach zwei Stunden kam ich wieder, aber ohne Dollar. Es war schlichtweg nicht möglich Dollarnoten zu bekommen. Demnach wollte ich es mit “Bolivianos” versuchen.
    Ich betrete also frohen Mutes den Laden und im gleichen Moment kauft ein Bolivianer diese letzte Kamera. Er konnte in Bolivianos bezahlen. Der Typ hatte weniger bezahlen müssen und kaufte nicht ein einziges Zubehörteil. Ich hab geflucht und dem Verkäufer zu verstehen gegeben, das dies das wohl dümmste Geschäft seines Lebens war. Ich hätte ja glatt 150 $ mehr investiert. Tja, “um die Ecke denken” gilt hier nicht als Spezialität.

    Also ging es ohne Actionkamera auf die “Death Road - die gefährlichste Straße der Welt”. Man startet auf 4700 m Höhe und fährt runter auf 1200 m. Die ersten 20 km sind normale Straße und danach geht es auf die 3m breite Schotterpiste. Ich hatte mich für die teuere Variante entschieden, um auch gutes Equipment zu bekommen. Dem war auch so. Es hat viel Spaß gemacht, obwohl es auch anstregend ist. Bevor der ganze Spaß jedoch los gehen kann, wird erstmal “Pachamama” (Mutter Erde) gehuldigt. Am Besten geht das mit dem 96% Alkohol, den die Einheimischen an Feiertagen schmerzfrei verkosten. Erst bekommt Mutter Erde einen Schluck, dann das Bike und zu guter letzt muss man selber nippen. Nippen reicht in dem Fall für den ganzen Tag.
    Eine Regel lautet, man solle dem Vordermann zu verstehen geben, falls man diesen überholen möchte. Also laut rufen. Ich wollte unseren amerikanischen Gruppensenior auf dem befestigten Abschnitt überholen, bei ca. 60 km/h Downhill. Die physikalischen Gegebenheiten meines Körpers lassen es einfach zu, den Berg ohne große Mühe herunterzurollen ohne eingeholt zu werden. Ich habe Steve einfach überholt nachdem er nicht reagiert hat. Beim ersten Stop kam er gleich zu mir um mich zu rügen. Ich verteidigte mich und sagte ihm das ich gerufen habe. Er sei schwerhörig, meinte der 65 jährige Steve daraufhin. Toll, dachte ich mir. Da kannst du so laut schreien wie du willst, aber einen schwerhörigen Vordermann bei ca. 60 km/h gegen Fahrtwind zu rufen, ist eine Begabung die ich nicht habe. Also bin ich möglichst vorne gefahren. Ich dachte zu erst, es gebe keinen Verkehr mehr, aber da irrte ich.
    Es gibt eine neue Strecke damit keiner mehr diese Todesstraße fahren muss. Aber diese wird wohl nie fertig gestellt, denn der letzte Abschnitt kann aus geologischen Gründen nicht fertig gebaut werden. Blöd, wenn man dies nicht vorher weiß. Also kamen doch einige Fahrzeuge den Berg hinauf und es wurde gehörig eng. Viele Menschen haben ihr Leben gelassen in den ganzen Jahren. Unsere Gruppe hat es überlebt und dies mit einem Schwerhörigen, einer Fahranfängerin namens “Bambi” und einem Einarmigen. Bambi ist im Übrigen genauso gefahren, wie man sich ein Reh auf dem Fahrrad vorstellt. Augen zu und runter!
    Nach dem Belohnungsbier und dem obligatorischen “Überlebens-Shirt” ging es zum Essen in die Eco-Lodge. Dort ging es unter die Dusche, rein in frische Klamotten und an die Tafel. Die Rückfahrt ging dann mit dem Bus über die gleiche Strecke. Ich hatte zum Glück keinen Fensterplatz. Der Engländer hatte erst wieder Farbe im Gesicht als wir zurück in La Paz waren.

    Die letzten Tage hatte es geregnet in La Paz und ich hatte mich entschieden dann weiter nach Cochabamba zu fahren.
    Meine erste Nachtbusfahrt in Bolivien. Es war megakalt und der Bus auch nicht der Beste. Es ging nur mit dem Schlafsack. Cochabamba war nichts für mich. Zwei Tage krank, aufgrund mangelnder bolivianischer Hygiene. Was anderes war aber wichtiger. Ich lernte Andre, die kölsche Frohnatur, Chris und Dani aus Berlin sowie Dion aus Australien kennen. Wir haben uns zusammen in Sucre getroffen.
    Andre und ich sind einen Tag später mit dem Nachtbus nach Sucre gefahren. Welch ein Erlebnis. “Semi Cama” bedeutet man hat im Bus die Möglichkeit den Sitz weit nach hinten zustellen um zu schlafen. Wir hatten die letzten Plätze, ganz hinten. Zwei links, zwei rechts und der Mittelgang sollte freibleiben. Sollte, wohl gemerkt. Der Bus war voll und ein Einziger stand im Gang. Alle fragten spöttisch ob er die zehn Stunden Nachtfahrt stehen will. Der tat mir leid. Aber dann kam der Busfahrer und zeigte auf die Kiste ganz hinten zwischen den letzten Plätzen. Somit wurde kurzerhand aus einer Viererreihe eine mit fünf Sitzen. Die ganze Fahrt über, ist er immer wieder schlafend in den Gang gerutscht und zerrte sich an mir wieder hoch. Zu allem Überfluss flog mir mehrmals sein Gepäck in den Nacken. Erholsam sieht anders aus. Natürlich sind wir dann auch wieder zu früh im Hostel angekommen.

    Das Hostel “Kultur Berlin” in Sucre war das nächste Ziel. Dieser Ort sollte es in sich haben. Die komplette Anlage ist super schön, mitsamt dem Hof, dem Garten und dem gemütlichen Restaurant. Hier haben wir alle wieder zusammen gefunden. Auch einige bekannte Gesichter aus den vorhergegangenen Wochen habe ich dort wieder getroffen.
    Sucre ist die Hauptstadt von Bolivien, allerdings sitzt die Regierung in La Paz. Es ist eine schöne kleine und saubere Stadt die zum Verweilen einlädt. Man sollte allerdings zum Wochenende dort sein, damit es nicht langweilig wird. Will man jedoch auf einen Trek gehen um Dinosaurierspuren zu sehen, ist es der richtige Ort. Wir haben allerdings die meiste Zeit im Hostel verbracht, Karten gespielt und getrunken.
    Welches Highlight man aber nicht auslassen sollte, bevor man im Hostel versackt, ist der riesige Friedhof, mit gestapelten Grabanlagen. Wir waren zur richtigen Zeit dort, da gerade der “Tag der Toten” war. Menschenmassen tummeln sich dann auf dem Friedhof, um der Toten zu Gedenken und Opfergaben zu bringen. Opfergaben können sehr vielseitig sein, wie man hier lernen kann. Teurer Whiskey oder Rum, Cola, Zigaretten und Brot gehören zu den Häufigsten. Eine Tour durch die Stadt musste reichen um nicht ganz als Kulturbanause durchzugehen.
    Im Hostel habe ich Steve aus der Schweiz wieder getroffen. Wir lernten uns in Arequipa kennen. Beim Fussball im Colca Canyon spielte er sich um seinen Rausch. Sein Motto lautet “Eine gute Story beginnt nicht mit einem Salat.” Wer den Blog verfolgt, müsste sich erinnern. Mit der Truppe aus Cochabamba hatte ich schon am ersten Abend die Mojito-Happy Hour ausgenutzt und dementsprechend lange geschlafen. Und dann kam die Halloween-Party.
    Traditionell ging es vorher in den Supermarkt, um günstig in den Abend zu starten. Mit Vodka und Ginger Ale sollte das auch gelingen. Ein paar Stunden und Trinkspiele später, ging es ab in den Hof zur Party. Leider fehlen mir die Stunden auf der Party. Erst um 3:00 Uhr in der früh setzt das Erinnerungsvermögen wieder ein. Eigentlich war ich mir sicher, nichts mehr getrunken zu haben. Das konnte leicht revidiert werden. Ein 1-Liter-Glas mit Bier haben wir wohl selbst öfter nachgefüllt, Steve hat Zigarettenasche konsumiert um Freibier zu bekommen, wir haben anscheinend die norwegische Beate Uhse kennengelernt und ein paar Iren haben mit unseren Köpfen “Bongo” gespielt. Danach sind wir in irgendeinen Club gefahren. Wir waren zu viert auf der Rücksitzbank und ein Ire lag auf uns. Natürlich sind wir im ersten Club gescheitert und im Zweiten ging das Licht an, als wir reingegangen sind. Also die gesamte Truppe zurück ins Hostel. Weiter ging es auf dem Dorm-Zimmer. Allerdings fühlte sich ein Pärchen stark gestört. Waren glaub ich auch die Einzigen, die der Party getrotzt haben. Unser Motto lautete hingegen “It is Halloween.”
    Was dann allerdings passierte, war für die Beiden nicht so lustig. Sie sind genervt abgehauen und wollten eine Runde um den Block drehen. Dabei wurde den Beiden dann dummerweise die Kamera geklaut. Glück ist was anderes.
    Am Morgen danach konnte Balu aus Ungarn, übrigens ein Kerl wie ein Baum, kaum die Treppe hochlaufen, die Iren haben standesgemäß ihren Flug verpasst und ich habe mich gefragt wo das Glitzer in meinem Gesicht herkam.
    Der Besitzer Klaus hatte, glaube ich, mächtig gefallen an unserer Truppe, nicht zuletzt weil alle viel getrunken und gegessen haben. Wir haben eigentlich den ganzen Tag zusammengesessen, getrunken und das berühmte Kartenspiel “Arschloch” gespielt. Habe ich vorher nicht gekannt, ist aber scheinbar weltberühmt. Wer übrigens verliert, der muss die Karten neu mischen. Soviel sei verraten, ich habe 90% der Spiele gemischt.
    Zusammen mit Dion und Andre hab ich dann doch gleich zum Mittag den Halloween-Abend gekontert. So ging es in Runde zwei. Die lustige Runde wurde dann nach und nach mit den Leuten vom Vorabend aufgefüllt. Pünktlich zum Abend waren wieder alle auf dem gleichen Level. Dieses mal sollte der Club-Abend länger dauern. Hat auch gut geklappt.
    Bevor es allerdings draußen hell wurde, waren wir wieder zurück im Hostel. Und auf einmal stand eine Gruppe Franzosen vor der Tür. Die haben wir dann reingelassen. Ich habe ihnen die Zimmer gezeigt und Betten gegeben in denen sie schlafen konnten. Die Rezeption war ja noch nicht offen und bevor sie ausgeraubt werden, war es die einzige Lösung. Dann haben wir gemeinsam im Garten dem Morgen entgegen gequatscht und gelacht. Der Ball verleitete dann noch kurz zum Fussballmatch, quer durch den Garten. Später sind Balu und ich noch kurz auf die Straße, um für ihn Zigaretten zu organisieren, gab aber keine. Das Einzige was wir gefunden haben war ein besoffener Bolivianer. Wir waren wieder zu lange unterwegs und zu betrunken. Am nächsten Tag hatte Klaus uns erzählt, das er alles mitbekommen hat. Aber er fand es sogar lustig. Die Einzige, die es nicht lustig fand, war eine Holländerin, deren Bett wir vergeben hatten. Klaus meinte nur ganz trocken: “Besser eingecheckt, als ausgeraubt.”
    Der Abschied fiel schwer, aber es war gut das wir weitergezogen sind. Unsere Leber brauchte Ruhe. So schleppten wir uns zum nächsten Taxi und es ging Richtung Bus. Potosi heißt die nächste Station.

     
  11. Sucre - 2/2, Kultur Berlin
    Ein halber Tag Kultur und drei Tage Spiel, Spaß und Trinkgelage. Ein Hostel mit Namen “KulturBerlin” kann ja sinngemäß nur Party bedeuten.

     
  12. Sucre - 1/2, der kulturelle Part
    Sucre, ist die Hauptstadt Boliviens, aber nur auf repräsentativ. Regiert wird vom chaotischen La Paz aus.

     
  13. Death Road - The World’s Most Dangerous Road
    Es ist nur gefährlich wenn man denkt, es kommen keine Autos mehr. Allerdings wird die neue Straße nie fertig gestellt, weil es die geologischen Gegebenheiten nicht zu lassen. Dumm nur wenn man das erst kurz vor Ende mitbekommt

     
  14. La Paz
    vielleicht nicht die schönste Stadt die man besuchen kann, aber ich war überrascht wie wohl ich mich dort gefühlt habe

     
  15. Isla del Sol 2/2
    …direkt an der Copacabana in Bolivien ;-)